18 01/13
23:30

Der Niedergang des Videospielejournalismus

Der deutschsprachige (aber auch internationale) Videospielejournalismus ist seit Jahren in einer schweren Krise. Natürlich trifft dies auf die gesamte Journalismusbranche zu, doch der Niedergang unter Spielepublikationen bricht selbst in dieser krisengebeutelten Industrie jegliche Rekorde. Die aktuellen IVW-Zahlen sehen erneut wie eine Hiobsbotschaft aus.

Die Verkaufszahlen des einstigen Branchenprimus “Computer Bild Spiele” sanken von 2002 bis 2012 um mehr als 80 Prozent. Die Auflage der GameStar brach in der selben Zeit von ehemals 365.000 monatlich verkauften Heften auf nur noch etwa 93.000 ein, was ebenfalls einem Minus von fast 75% entspricht. Angesichts dieser Zahlen wirken die etwa 40 Prozent, die die BILD-Zeitung seit 2002 an Auflagenverlust hinnehmen musste, geradezu paradiesisch.

Zahlreiche traditionsreiche Spielemagazine wurden in den letzten Jahren sogar gänzlich eingestellt, da die Auflagen teils unter einen Punkt gefallen sind, ab dem ein Weiterführen der Veröffentlichung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist und man auch für potentielle Anzeigenpartner zu unattraktiv geworden ist.

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Woran liegt dieser extreme Rückgang unter Spielemagazinen? Ist dies allein der Konkurrenz durch das Internet und der Kostenlos-Mentalität der heutigen “Digital Natives” zuzuschreiben, die zweifellos die Hauptzielgruppe der heutigen Videospielpresse darstellen?

Meines Erachtens: Nein.

Zweifellos, das Internet hat die Krise der Branche erst verursacht. Während Tests zu aktuellen und wichtigen Spielen im Internet bereits kurz nach Release im Internet auftauchen, sind Printmagazine mit ihrem Veröffentlichungszyklus von einer Ausgabe pro Monat in dieser Hinsicht meist nicht konkurrenzfähig – auch wenn zahlreiche Spielehersteller Testmuster von Spielen häufig früher an Printmagazine als an reine Onlinepublikationen verteilen.

Das ehemals klassische Kaufargument für ein Spielemagazin ist somit also weggefallen – wer sich einfach schnell über einen neuen Titel informieren möchte, wird irgendwo im Internet fast immer deutlich schneller bedient. Die Zeiten, in denen man ein Heft wirklich nur wegen dem Vorabtest oder exklusiven Screenshots eines kommenden Spiels kaufte, sind ein für alle Mal vorbei.

Ein weiteres Kaufargument für Printmagazine war lange Zeit auch die Heft-DVD (bzw. früher -CD/-Diskette) mit den enthaltenen Videos und Spielvollversionen. Auch dies bricht als Kaufargument mehr und mehr weg: Mittlerweile sind auf Plattformen wie Steam einige Jahre alte Titel häufig günstiger zu haben als im Bundle mit einer Spielezeitschrift. Von Trailern und Testvideos einmal gänzlich abgesehen – es gibt mittlerweile ja YouTube. Konsequenterweise haben zahlreiche Zeitschriften den beiliegenden Datenträger entweder gänzlich wegrationalisiert oder bieten zumindest eine Version ohne DVD an.

Und kommen wir nun zum Kern, zur Essenz den eine Zeitschrift ausmacht: Der darin dargebotene Journalismus. Gut recherchierte Artikel und Reportagen, Kolumnen, ja, im Falle von Spielemagazinen natürlich auch Tests und Vorabberichte. Und genau hier hat der Spielejournalismus anscheinend nicht die Zeichen der Zeit erkannt.

Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis einer aktuellen GamePro zeigt, was derzeit in einem Spielemagazin geboten wird: An Rubriken gibt es Vorschau, Tests, Titelstory (in der Regel ebenfalls Tests oder eine Vorschau) und ein paar Berichte zu Gamer-Hardware und Retrothemen. Ein Blick in eine Ausgabe des Hefts aus dem Jahr 2003 zeigt: Inhaltlich hat sich kaum etwas geändert. Auch damals bestand das Heft zu etwa 70% Prozent aus Spieletests und Vorschauberichten.

Nur gab es damals einen entscheidenden Unterschied: Anno 2003 hatte noch längst nicht jeder Benutzer einen DSL-Anschluss, YouTube war damals noch allenfalls eine Idee in den Köpfen einiger Studenten und Spielemagazine waren für hunderttausende Gamer tatsächlich noch die einzige oder zumindest hauptsächliche Informationsquelle zu Videospielen. Doch die Zeiten haben sich geändert. All das gibt es auch im Internet. Und gratis. Und schneller.

So gut wie alle Spielemagazine auf dem Markt machen aber noch immer einen unglaublich pragmatischen und zweckmäßigen Eindruck. Aber genau das sind sie heute eigentlich nicht mehr. Zweckmäßig ist das Internet. Spielemagazine heben sich in der Regel überhaupt nicht vom Mainstream im Internet ab, sind inhaltlich noch immer so eingeschränkt wie vor 10 oder 15 Jahren. Mit Tests und Previews, insbesondere von ohnehin gehypten oder vieldiskutierten Spielen, liefern Magazine keinen Kaufanreiz mehr, während sie darüber hinaus nur wenig Inhalte bieten. Es scheint so, als würde die Spielepresse nicht wirklich auf die geänderten Marktverhältnisse reagieren.

Dabei entwicklen sich Videospiele immer mehr von einem Randthema zu einem vielschichtigen, kulturell wertvollen Medium. Es hat in den letzten Jahren zu deutlich breiterer Akzeptanz gefunden, mittlerweile berichten sogar Der Spiegel, die New York Times oder die Süddeutsche Zeitung regelmäßig über „Games“. Spiele sind auf dem Weg zur Anerkennung als eine Form von Kunst und Kultur, jüngst nahm sogar das New Yorker Museum of Modern Art 40 Spiele in seine Sammlung auf.

Dieses Medium kann nicht mehr nur in Form von Tests und Previews (oder Retrorückblicken…) behandelt werden. Kulturelle, darüber hinaus gehende und tiefgreifendere Berichterstattung ist dringend erforderlich. Ganz nebenbei, ich halte auch die Art und Weise, wie Spiele heute getestet werden, für veraltet. Ein so vielschichtiges Medium wie Computerspiele mit einer eindeutigen Wertung zwischen 1 und 100 zu versehen halte ich persönlich für ein Relikt aus der Vergangenheit, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Ein gutes Beispiel für die Lage der heutigen Fachpresse ist der Test zum 2008 erschienenen GTA IV: Während man sich in allen deutschsprachigen Spielezeitschriften ausführlich mit technischen Finessen, dem Zielsystem, der Fahrzeugsteuerung, dem potentiellen Umfang des Spiels und sonstigen Details auseinandersetzte und am Ende ein paar Zahlen (äh, Wertungen) darunter schrieb, fehlte eine differenzierte Betrachtung des Spiels. Es waren Tagesspiel, die Süddeutsche oder Der Spiegel – und kein Fachmagazin – die GTA IV am treffendsten beschrieben: Als ein Multimediakunstwerk, als eine bissige Sozialkritik, als ein Drama, das sich mit Grenzüberschreitungen und Moral beschäftigte. 

Genau diese weiterführende Reflexion fehlt dem Spielejournalismus bislang fast vollständig, nicht nur in diesem Einzelfall. Ich halte das für vergleichbar mit einer Buchkritik, die sich detailliert mit Seitenzahl, Spannungskurve und Wortwahl des Autors auseinandersetzt, zur Aussage, Wirkung und Einordnung des Buchs aber völlig schweigt.

Um im Zeitalter von DSL und Streaming zu überleben, müssen Spielezeitschriften eben mehr bieten, als nur die Wiedergabe des Spielablaufs und eine Einschätzung der Technik. Um nicht unterzugehen, müssen sie sich dringend abheben von der Masse der Onlinepublikationen. Und genau das tun sie nicht.

Im Bereich der klassischen Tageszeitungen ist eine ähnliche Tendenz erkennbar. So wundert es nicht, dass die Auflagenrückgänge etwa der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder der Süddeutschen, die beide für hochwertigen, gut recherchierten Journalismus bekannt sind, deutlich geringer ausfallen als die der BILD-Zeitung. Wer heute lediglich die aktuellen Schlagzeilen lesen möchte, braucht keine gedruckte Tageszeitung mehr, dafür reichen kostenlose Internetangebote. Wer tiefgreifendere politische Analysen, Kulturkritik oder das Feuilleton sucht, greift derzeit nach wie vor zur gedruckten Zeitung.

Und genau hier müssen Spielezeitschriften ansetzten. Und zwar möglichst bald, denn die Auflagenzahlen sprechen eine alarmierende Sprache.

 

12 12/12
17:29

Projektankündigung: PeNgA 2

Penga1

Kennt noch jemand PeNgA? Ein kleines RPG-Maker-Spiel von Simon, das vor mittlerweile fünf Jahren erschien. Warum auch immer, irgendwie blieb mir dieses Spiel im Gedächtnis. Natürlich auch, weil damals eine Art “Online-Freundschaft” zum Entwickler bestand, aber nicht nur. Jedenfalls habe ich es mir inzwischen zur Aufgabe gemacht, einen zweiten Teil zu PeNgA zu entwickeln. Im gleichen Grafikstil, aber eben ein komplett neues Spiel.

Die Motivation dahinter? Ich wollte schon immer mal ein Spiel entwickeln. Bisher scheiterte das ganze aber immer daran, dass ich dafür keine wirklichen Ideen hatte. Beim durchforsten aller Daten bin ich dann aber auf PeNgA gestoßen und habe nun beschlossen einen zweiten Teil zu entwickeln. Das ganze benutzt SDL und soll natürlich auch für Dreamcast erscheinen.

Wann es kommen soll? Das kann ich noch nicht sagen. Aber hoffentlich bald.

08 11/12
16:29

Pier Solar kommt für Dreamcast

Das bekannte Indie-Rollenspiel “Pier Solar”, ursprünglich 2010 für Mega Drive veröffentlicht, wird neu aufgelegt. Neben einem HD-Remake für Xbox Live Arcade, PlayStation Network und PC/Mac soll auch eine Dreamcast-Version erscheinen. Pier Solar habe ich bereits auf dem Mega Drive geliebt, und nun kommt dieses unterstützenswerte Projekt auch auf Dreamcast – mit verbesserter Optik. Pier Solar wäre damit das erste Indie-Rollenspiel für Dreamcast und seit Jahren auch das erste Spiel dieses Genres auf der Dreamcast.

Bestellt werden kann das ganze via KickStarter, wo bis zum 5. Dezember die Summe von 139.000$ eingenommen werden muss. Bislang konnte bereits die Hälfte dieses Betrages vorfinanziert werden, weshalb das Projekt also ziemlich sicher diese Marke erreichen wird.

02 10/12
19:43

SDLLopanDC aktualisiert

Vor einigen Tagen erschien bereits die Version 0.1, nun ist auch die Version 1.0 meines Dreamcast-Ports von SDLLopan herausgekommen. Im Unterschied zur letzten Version könnt ihr jetzt auch mit dem Controller spielen – in der letzten Version wurden nur Maus und Tastatur unterstützt.

Download: HIER 

27 09/12
14:08

SDLLopan auf Dreamcast portiert

Bald drei Jahre ist es her, dass ich etwas für Dreamcast entwickelt oder veröffentlicht habe. Nun ist es wieder soweit. Mein neuester Port heißt “SDLLopanDC” und basiert auf dem Spiel “SDLLopan” für PC (entwickelt von Dave Ashley). Der Port ist nicht perfekt, aber er funktioniert. Leider wird der Dreamcast-Controller derzeit noch nicht unterstützt, ein Update wird aber demnächst folgen. Vorerst müsst ihr noch mit Maus und Tastatur vorlieb nehmen. Das ganze diente übrigens als Übung, um mich wieder in die Dreamcast-Entwicklung einzuarbeiten. Ein größeres Projekt ist bereits in Planung, dazu aber bald mehr.

Download des Ports: http://www.sega-dc.de/dateien/spiele/sdllopandc/sdllopandc_0.1.rar

Falls ihr Feedback dazu geben möchtet, könnt ihr das im SEGA-DC-Forum tun.

24 08/12
13:14

Project Giana auf Kickstarter

Eigentlich ist dies hier ja kein normales Gaming-Blog, aber diesmal muss dieses Projekt einfach ein bisschen gepusht werden: Black Forest Games, ehemals bekannt als Spellbound Entertainment, arbeitet derzeit an einer Neuauflage von The Great Giana Sisters, dem 1987 für C64 erschienen Spieleklassiker.

Project Giana, so der momentane Arbeitstitel, ist jedoch nicht irgendein Remake, sondern ein vollwertiges 3D-Spiel, das komplett neu entwickelt wurde.  Auch Chris Hülsbeck, Komponist der Musik des Originals, ist bei Project Giana mit an Bord. Das ganze soll bereits im Oktober 2012 erscheinen, die Entwicklung ist wohl bereits ebenfalls recht weit fortgeschritten.

Der Punkt ist jedoch folgender: Project Giana hat (noch) keinen Publisher. Deshalb hat das Entwickerlteam eine Finanzierungsrunde über Kickstarter gestartet. Derzeit wurden über 100.000$ eingesammelt, das Ziel sind 150.000$. Es bleiben noch sieben Tage.

Ich kann nur jedem Fan des Originals (und nicht nur dieser Zielgruppe…) nahelegen, dieses tolle Projekt zu unterstützen.

 

30 04/12
13:53

SEGACity.de

Auch wenn’s alt ist: Seit Anfang April dieses Jahres haben SEGA-DC.DE und SEGA-Portal.de unter der Adresse SEGACity.de ihre Foren zusammengelegt. Entstanden ist eine der größten deutschen SEGA- und Dreamcast-Communities überhaupt, mit derzeit mehr als 1.200 registrierten Benutzern.

Dann hoffen wir mal, dass sich das ganze so positiv entwickelt wie bisher und eine echte Alternative zu großen Foren wie neXgam, etc wird. Die Zukunft wird es zeigen.

 

SEGACity.de